Alles kein Problem

Ich saß in der Straßenbahn. Feierabend.
Endlich keine Pakete schleppen und keine
Konversation mehr mit den Kollegen.
Ich nuckelte an meinem Feierabendbier.
Es ging mir trotzdem beschissen. Ich war wieder
einmal allein und blickte finster in die Gegend
und alles war scheiße. Der Himmel war scheiße,
die Häuser waren scheiße, die Bob-Ross-Bäume am
Straßenrand waren scheiße.
Und dann kamen zwei Ausländer rein und unterhielten
sich LAUT in irgendeiner schwul und rücksichtslos
klingenden Sprache. Was will dieses ganze Pack
hier, wenn es sich nicht einmal um die ortsansässige
Sprache bemüht? Dann setzte sich schräg hinter mich
ein Mensch der ein Fahrrad dabei hatte. Und eine
Tüte mit Knapperzeug. Die Tüte raschelte und
knisterte unentwegt. Und jedesmal wenn er sich
einen Chip oder was das war nahm, schob er ihn nicht
einfach in den Mund, nein er biß erstmal herzhaft
drauf: Cräck! Cräck! Cräck! in einer Tour so daß
es auch jeder mitbekam. Eine fette Quallenfrau
schräg vor mir starrte mich dreist und unentwegt
an und hinter ihr saß ein ausländisches Paar die
ihr Kind herumplärren ließen wie es wollte.
Hinter mir saßen zwei Penner, diesmal Deutsche,
die eine dermassen BLÖDE Unterhaltung hatten, daß
mich das erstemal Besoffene nervten, und nicht
ich (besoffen) andere. Und weiter hinten konnte
man noch das Quieken irgendeiner supercoolen
Teenietussi vernehmen.

Ich nahm einen langen, langen Schluck aus der
Bierflasche und wartete kurz. Dann gab ich
einen brachialen Rülpser von mir. LAUT und lang.
Die Fensterscheiben beschlugen.
"Na Mahlzeit." kam es von einem der Penner.
Ich drehte mich um. "Mahlzeit." sagte ich
freundlich. Die Leute starrten mich an. Das
ganze Abteil war plötzlich still, sogar das
kleine Scheisskind. Ich sah aus dem Fenster
und sah in den schönen Abendhimmel, auf die
Häuser und Bäume durch die die untergehende
Sonne blinkte und hatte zum erstenmal in dieser
Woche einen entspannten Ausdruck im Gesicht.
Ich dachte daran noch einmal die Flasche
anzusetzen und machte das dann auch.

 

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