Eisig

Ich saß auf der Veranda meiner abgebrannten
Villa und blinzelte in die untergehende Sonne. Eine
Kompanie Maden wühlte sich durch einen Mäusekadaver
der vor mir lag. Ich hatte ein Bier in der Hand und
es war Ende August.

Irgendwann hörte ich ein leises Brummen. Das Geräusch
schwoll an, stotterte, knatterte weiter und wurde immer
lauter. Dann sah ich die Messerschmitt nur ein paar
Meter über dem Boden vorbeirauschen und sie zog eine
dünne schwarze Spur hinter sich her. Dann war sie weg.
Ich griff nach unten: neues Bier, neues Glück.
Die Sonne ging noch weiter runter. Das Leben war ein
Witz. Es liefen eindeutig zu viele Psychopathen in der
Welt herum und alleine rumsitzen und Bier trinken war
die einzige Lösung, hielt einen von viel Ärger fern.
Eine Schlingpflanze wuchs langsam nach oben an
einem abgebrochenen Pfahl. Vielleicht war ich
auch nur verliebt und wußte es einfach noch nicht.
Dann hörte ich einen dumpfen Schlag.
Die Messerschmitt war anscheinend unten angekommen.
Ich saß da wie ein Depp.
Ich brauchte keine Hobbys.
Die Sonne verschwand hinterm Horizont und ich sah
die Straße lang, da, hinter der großen Hecke, wälzte
sich die Rauchwolke von der Me nach oben. Ansonsten:
Kaum Menschen unterwegs. Warum auch. Die Menschheit
ist nur eine katastrophale Fehlentwicklung, die hatte
nicht rumzulaufen auf Straßen, ich gab ihr noch 5000
Jahre und darauf trank ich.
Meine blöde Villa ging mir auf den Sack. Vor 3 Wochen
war sie abgebrannt weil ich besoffen eingeschlafen
war, wärend im Ofen eine Thunfischpizza brutzelte. Ich
hatte mich bis jetzt noch nicht aufraffen können um
alles aufzuräumen. Lieber ertrug ich die paar Leute
die ab und zu vorbeigingen und mich komisch anstarrten
auf meiner Veranda. Und das war schon schlimm genug.
Ich tastete nach meiner Marksman-Pistole die an meiner
linken Seite im Gürtel steckte und zog sie heraus.
Sicherte sie, entsicherte sie, kontrollierte das Magazin.
Ein tiefes Gefühl, diesen eisigen schwarzen Metallklumpen
in der eigenen Hand zu wissen, fast so gut wie eine kühle
Bierflasche. Die tote Maus vor mir schien lebendiger zu
sein als je zuvor, mit all den Maden drin. Ich steckte
die Pistole wieder in den Gürtel und setzte an zu einem
kräftigen Schluck (Ich sah
einen Vogelschwarm über mich
hinwegziehen im dunkler
werdenden Himmel blinkten
die ersten Sterne. Keine
Wolken).
Dann setzte ich die Flasche wieder ab, sah auf die
Straße und rülpste. Die Messerschmitt ging mir nicht
aus dem Kopf. Ich hätte ein Foto machen sollen.

 

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