Schattenboxen an der Exekutionsmauer

Wir vögelten uns Tag und Nacht aus der Verzweiflung.
Das heisst wenn wir gerade mal nichts tranken. Nur einmal
schaffte ich beides auf einmal. Ich nahm sie gerade von hinten
und versuchte meine Bierflasche auf ihren Rücken zu stellen. Dann
mussten wir allerdings so lachen daß die Begattung ein ziemlich
spontanes Ende hatte. Wahrscheinlich vögelte sich aber die ganze
Menschheit aus der Verzweiflung. Durch Jahrtausende schleppt sich
diese wandelnde Katastrophe aus schwitzenden, eiternden und
kackenden Fleisch nur mit Hilfe eines Verzweiflungsaktes.
Da hat die Evolution ordendlich Scheisse gebaut.

Eines Mittags (wir waren gerade aufgewacht) fand ich mich schon
wieder an ihrem Arsch und besorgte es ihr sogar ziemlich
ordendlich. War jedenfalls meine Meinung, vor allem wenn man
das mit der ganzen Trinkerei bedenkt. Das Bett quietschte sich einen
ab und sie stand dem in nichts nach. Naja, die einen Frauen brauchen
es mehr auf die eine Art und die anderen mehr auf die andere.
Sie brauchte es eindeutig auf die andere.
Irgendwann kam es ihr, sie fing das Zittern an und schrie das ganze
Haus in Grund und Boden. Mein armer Nachbar. Hängt jetzt mit
Sicherheit immernoch mit den Ohren an der Zimmerwand und kratzt
sich die Eichel. Mit Zurückhaltung meinerseits wars dann auch vorbei
und ich pumpte ihr kräftig eine Ladung von hinten rein was der Beutel
hergab.
"Hey du Zuckerstück," sagte ich dann und patschte ihr herzlich hart
einen auf den Prachtarsch.
"dein Tank ist voll, wär nett wenn du mir jetzt ein Bier holst."
"Haa-haa. Du kannst mich mal am Arsch lecken."
"Hm. Apropos Arsch. Mir ist da vorhin was eingefallen. Wie wärs wenn
du dir auf die Hinterbacken ´Fick mich!` tätowieren lässt?"
"Du bist blöd."
"Oder noch besser: ´Bitte, bitte, fick mich!`."
Ihre Antwort ging im Gähnen unter.
"Im Fernsehen hab ich mal was über eine Werbeaktion gesehen. Da hat
sich eine das ´Playstation`-Logo auf eine Arschbacke tätowieren lassen.
Auch ganz lustig."
"Oh Mann..."
Ich küsste sie und stemmte mich aus dem Bett. Eine leichte Hoffnung rumorte
in mir als ich zum Kühlschrank schlich. Als ich wieder zurück zum Bett
ging sagte ich:
"Erinner mich daran demnächst in die Kirche zu gehen."
"Warum?"
"Ich glaub plötzlich an Gott:" Mit einem Grinser zeigte ich ihr die volle
Bierflasche.
"Na das grenzt wirklich an ein Wunder wenn du die gestern noch übriggelassen
hast."
Ich setzte mich ins Bett, stopfte mir das Kissen in den Rücken und machte das
Bier auf. Nach 5 Minuten war es leer. Ich zog mir die Decke halb über den
Kopf, nahm meine Holde in den Arm und schlief wieder ein.

 

Nach 2 Stunden wachten wir wieder auf. Meine kleine Fickmaus machte
daraufhin ihrem Namen ein weiteres mal alle Ehre.
"Kleine Fickmaus," fragte ich danach.
"wieso findest du es eigendlich nur von hinten so geil?"
"Ich weiß nicht. Ich mags halt so."
"Soll mir recht sein. Aber mal ne etwas seltsame Frage: Liegts vielleicht
irgendwie daran daß dich dein Vater früher immer mit dem Rohrstock
verdroschen hat?"
"Ich weiß nicht, kann schon sein. Hab ich mir auch schon mal gedacht."
Ich gab ihr einen Kuß und dann bekam ich Depressionen.
"Scheisse, kein Bier mehr da."
"Du hast das letzte vorhin getrunken."
"Aber jetzt bräucht ichs mehr als vorhin."
Mein Zustand war zum Kotzen und ich dachte wieder häufiger an
Selbstmord. Obwohl ich mir ziemlich sicher war, nie zu sowas
fähig zu sein. Ständig dachte ich daran eigendlich verrückt werden zu
müssen, aber es passierte nie. Ich fühlte mich wie in einem unendlich
langsamen und permanenten Nervenzusammenbruch.
Ich drehte mich zur Seite und umarmte sie.
"Oh Gott, du zitterst ja." sagte sie.
"Echt? Ich sollte mal wieder was essen."
"Gehts dir nicht gut?"
"Ich glaub ich werd verrückt."
Sie lachte. "Du BIST verrückt."
"Ich meins ernst. Ich wart einfach die ganze Zeit nur noch darauf daß die
Männer in den weißen Kitteln auftauchen um mich abzuholen. Aber sie
kommen nicht."
"Was hast du denn?"
"Ich weiß es nicht. Deswegen mein ich ja daß ich so langsam einen
Dachschaden bekomme. Ich hab das Gefühl ich krieg keine Luft mehr.
Ich brauch ein Bier."
"Geh doch mal zum Arzt."
"Ich kann nicht. Ich kann nicht in dem Zustand 3 Stunden lang im
Wartezimmer sitzen. Ich kann mich jetzt nicht mit einem Arzt unterhalten
der in mir nur jemanden sieht der billig an Drogen rankommen will. Außerdem
halt ich nicht soviel von Tabletten. Ich will nicht unbedingt den ganzen Tag
mit nem blöden Dauergrinser im Gesicht rumlaufen. Ich will nur daß
das verschwindet."
"Das ´was` verschwindet."
"´Das`. Ich kanns nicht erklären."
"Und wenn du zu einem Psychiater gehst?"
"Auf keinen Fall. An Psychiater glaub ich genausowenig wie an Horoskope.
Was soll der mir schon erzählen? Ich weiß selber was mir fehlt. Ich brauch
einen Job, ich brauch Geld und ich brauch eine Frau mit dicken Titten. Was
ich nicht brauch ist ein Psychiater."
Nachdem sie mir eine gelangt hatte meinte sie:
"Also ich weiß auch nicht. Kann schon sein daß das daran liegt weil du
arbeitslos bist. Aber das kann nicht alles sein. Irgendwas fehlt dir doch noch."
"Ja, ein Bier."

 

Draussen fuhr mit plärrender Sirene ein Krankenwagen die Sulzbacher entlang.
Ein anderes Auto holperte über den kaputten Asphalt vor dem Haus. Aus dem
Auto dröhnte schlechte Musik. Ein Mann schrie in der Gegend herum. Im
Treppenhaus bellte ein Hund. Ich zog mir die Bettdecke noch weiter über
den Kopf.

 

"Findest du mich eigendlich hübsch?" fragte sie mich dann.
"Was weiß ich. Ich seh dich ja nur von hinten."
Patsch! -- "Doofmann."
"Natürlich find ich dich hübsch! Äusserst hübsch! Ich glaub das hab ich dir
auch schon öfter gesagt! Das mit den Titten vorhin war doch nur ein blöder
Witz."
"Naja, ein bißchen abnehmen könnte ich schon."
"Nein! Dann siehst du ja so aus wie ich! Bei dir ist alles perfekt. Wirklich!"
"Schau mal. Ich hab doch ein Doppelkinn."
"Ganz leicht, aber darauf steh ich. Das sind genau die Dinge in die wir Männer
uns verlieben und die uns verrückt machen. Die kleinen Eigenarten, ob
äußerlich oder innerlich. Die euch unterscheiden. Kein Mann verliebt sich
in eine abgemagerte Silikon-Barbie-Puppe aus der Massenproduktion."
"Du bist süß."
"Ja danke, ich brauch jetzt trotzdem ein Bier."
Ich starrte an die Decke. Innerlich schrie ich nur noch. Wenn dieses liebe
Persönchen nicht neben mir liegen würde, dachte ich, wär ich schon längst
nackt auf die Straße gerannt und hätte Purzelbäume geschlagen.
So langsam wurde es dunkel draussen. Gottverdammte Scheisse. Wenn
ich jetzt nicht meinen Arsch hochbekomme macht der Supermarkt zu.
Mit meinem Bier drin!
"Augen zu und durch." sagte ich
"Was?"
Ich schmiss meine Hälfte der Bettdecke zur Seite und stand auf und stellte
mich unter die Dusche. Irgendwie schaffte ich es immerwieder. Ich wusste
nicht wie. Es war ein immerwiederkehrendes Rätsel. In meinem Kopf tobte
ein gewaltiges Orchester klirrender Nerven. Aber ich hatte weiß Gott schon
schlimmeres durchgemacht.
Ich ging zurück ans Bett und küsste sie auf die Lippen und hinters Ohr.
"Bis gleich."

 

Es war furchtbar.

 

Als ich wieder zurück war lag sie noch immer im Bett und ich setzte mich
auf die Kante.
"Hier, ich hab dir Schokolade mitgebracht."
"Ooooh, danke."
"Jetzt hast du deine Schokolade und ich mein Bier und alles ist schön."
Sie setzte sich auf und legte ihre Arme von hinten um mich. Ich sah auf die
zwei Sechserpack. Fast musste ich weinen.
Dann machte ich das erste Bier auf. Sowas! dachte ich. Die Sonne ist doch
gerade untergegangen - jetzt geht sie schon wieder auf! Dann trank ich.
Und trank. Und trank. Mir wurde warm. Gold floß in Strömen. Es klarte
auf. Wie ist das möglich daß der Gaumen so einen Orgasmus vollbringen
kann? Alles war gut. Alles war ruhig.
Ein friedlicher Mantel deckte alles ein.

 

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